Die Landschaft des Naturpark Vesterhavet

 

 

Blåvands Huk

Hoch oben von der Düne am Blåvand Strand hat man einen Überblick über das Fahrwasser um Blåvandshuk. Die Küste macht einen Knick von 90 Grad, und von oben betrachtet hat die Landschaft die Form eines in Richtung Westen zeigenden großen Pfeils. Vor der Küste liegt eine Untersee-Landschaft. Das bei den Seeleuten gefürchtete Riff Horns Rev besteht aus mehreren riesigen Sand- und Kiesbänken, die sowohl vom Meer als auch vom Schmelzwasser der letzten beiden Eiszeiten abgelagert wurden! Von der Düne aus kann man beobachten, wie sich die Wellen an dem Riff brechen, auch blickt man auf die Windenergieanlagen, die im niedrigen Wasser aufgestellt worden sind.

Horns Rev erstreckt sich 40 Kilometer in Richtung Westen. Die Zugvögel nutzen das Riff in hohem Maße als eine Art Abschussrampe, wenn sie von der Küste kommen und dem Riff in Richtung Südwesten folgen. Auch heute noch lagert das Meer große Mengen Sand auf dem Riff ab. Wenn es stürmt, wandert ein Teil des Sandes weiter in Richtung Küste und kann später neues Land aufbauen, z.B. auf der Halbinsel Skallingen in Richtung Süden.

Die Dünenlandschaft

Die Dünenlandschaft unterscheidet sich von der sonstigen Landschaft dadurch, dass sie vom Wind gebildet wird. Einige Dünen sind tausend Jahre alt, während andere nur einige wenige hundert Jahre alt sind, und an bestimmten Stellen verändern die Dünen sich jedes Jahr. An vielen Orten entlang der jütländischen Nordseeküste verschlingt das Meer jedes Jahr ein Stück der Dünen, was viele Ferienhausbesitzer  schmerzlich erfahren haben. In Dänemark hat man vielerorts durch das Pflanzen von Strandhafer Küstenschutzpflanzungen angelegt, um den Sand zu halten. Dadurch wird das Sandtreiben in das Land hinein minimiert, das in alten Zeiten große Probleme nach sich gezogen hat. Da es in Dänemark keine hohen Berge gibt, sind die vielen hohen Dünen hervorragende Aussichtspunkte, z. B. Dänemarks höchste Düne, Blåbjerg, die 64 m hoch ist. Obwohl 64 m in Dänemark viel sind, sind sie im Verhältnis zu den Dünen der Sahara, die an einigen Stellen über 200 m hoch sind, recht niedrig. Die Dünenlandschaft in Dänemark wird in drei Bereiche eingeteilt – ganz außen die Weißdünen, danach die Graudünen und zuletzt die Braundünen. In Richtung Landesinneres verändern sich Flora und Fauna der Dünen.

Vrøgum Kær

Das Moor Vrøgum Kær ist seit Jahrhunderten nicht bebaut worden, vielleicht seit Jahrtausenden, und liegt das ursprüngliche Südufer des Sees aus der Zeit als der See am größten war. Trotz vieler Untersuchungen weiß man nicht genau, wann in der Vorzeit der See am größten war, vielleicht jedoch vor 2-3000 Jahren, als das Wasser ca. 5 m höher stand als heute. Im Moor Vrøgum Kær findet man Strandwälle und terrassenförmige Abhänge, die bei der Entwässerung des Sees im Laufe der Zeit gebildet wurden. Der See wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von ca. 3.000 ha auf ca. 600 ha reduziert, da man das Land landwirtschaftlich nutzen wollte. Es sind Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt worden, aber so groß wie zu seinen „besten“ Zeiten ist der See heute nicht.

Bildung des Filsø-Gebiets

In der Jägersteinzeit um das Jahr 5.000 v.Chr. reichte das Meer aufgrund von Landveränderungen nach der letzten Eiszeit ganz bis zur heutigen Küstenlinie beim Houstrup Strand. Von hier wurde in Richtung Süden ein Stein-Landzunge gebildet und die Spitze (huk) der damaligen Zeit lag bei Vejers. Die flachen, runden Steine, die man am Strand zwischen Kærgård und Henne findet, stammen von dieser Landzunge.

 

Der See Filsø hatte durch eine breite Rinne von Kærgård in Richtung Süden eine offene Verbindung zum Meer. Um 2500 v. Chr. verlor der See den Kontakt zum Meer und war ab dieser Zeit ein Süßwassersee. Die Dünen schützten effektiv gegen ein Eindringen des Meeres, und der Wasserstand im See wuchs bis über den Meeresspiegel. Die heutige Verbindung zwischen dem See und dem Meer durch das Flüsschen Henne Mølleå wurde wahrscheinlich gebildet, weil hier in der früheren Landzunge eine Schwachstelle war, durch die das höhere Wasser des Sees abfließen konnte. Das Flüsschen Henne Mølleå ist heute begradigt.

Die Düne Tejnebjerg

Tejnebjerget ist der Name der großen Düne an der Westseite des Sees Filsø. Vom Gipfel der Düne hat man einen Ausblick auf die Heide von Filsø und kann den nördlichen Teil des Sees sehen. Die Dünen und die Heide sind ein Ergebnis der Sandtreiben früherer Zeiten. Der Sand wurde ursprünglich vom Meer in Richtung Küste transportiert, und bildete eine breite Landzunge von Blåbjerg bei Henne und in südlicher Richtung nach Blåvandshuk. Auf diese Weise wurde der Bereich Filsø, nach der Eiszeit eine offene Meeresbucht, eingeschlossen, und so wurde ein Süßwassersee gebildet. Auf der Landzunge, die heute die eigentliche Küstenlinie ist, ist das Pflanzenwachstum spärlich gewesen, und der Wind konnte den Sand bis weit ins Land wehen. Vor 150 Jahren waren Bäume hier eine Seltenheit. Die jetzigen Dünenschutzpflanzungen wurden angelegt, um das Sandtreiben zu bekämpfen. Die Heide unterhalb der Düne Tejnebjerg wurde in Verbindung mit der letzten großen Trockenlegung des Sees in der Mitte des 20. Jahrhunderts unter Naturschutz gestellt. In der Heide findet man die typischen Tier- und Pflanzenarten, die auch schon vor der Trockenlegung und der Bepflanzung zur Landschaft dieser Gegend gehörten.

Die versandeten Eichen

Der dänische Name Løvklitter (direkt übersetzt: Laubdünen) sind eine treffende Bezeichnung für ein ganz besonderes Naturphänomen, das ein Ergebnis des Sandtreibens früherer Zeiten in der Gegend um den See Filsø ist. Der Sand war mehrere hundert Jahre Ursache großer Probleme für die Lokalbevölkerung, die vom spärlichen Ackerboden abhängig war. Der Sand bedeckte sogar ganze Wälder. Das niedrige Gebüsch, das die Dünenlandschaft bedeckt, besteht in Wirklichkeit aus den Baumkronen von großen versandeten Eichen. Man geht also durch Baumkronen von Bäumen, die sieben oder acht Meter hoch sind, und die, trotz des vielen Sandes, imstande sind, zu überleben und durch die Blätter der Krone genügend Sonnenlicht zu bekommen. Während des Blattaustriebs im Frühling kann man beobachten, dass die Blätter an verschiedenen Tagen austreiben und so entdecken, welche der kleinen „Büsche“ zum selben Baum gehören. Die Bäume sind etwas über 200 Jahre alt.

Der Hügel Kløvbakke

Vom Hügel Kløvbakken hat man Aussicht auf den sechstgrößten See Dänemarks, den Filsø. In der Steinzeit war der See der zweitgrößte See Dänemarks nach dem See Arresø. Damals gab es einen Salzwasserfjord oder eine Bucht an der Nordsee, aber im Laufe der Zeit hat das Sandtreiben das Eindringen des Meeres verhindert und der See wurde zum Süßwassersee. Als er am größten war bedeckte er eine Fläche von ca. 3.000 ha.

Der Hügel Kløvbakken hat seinen Namen bekommen, da die Nordsee in der Steinzeit den Hügel auf beiden Seiten umgab, das Meer also auf eine Weise in zwei Teile „zerhackte“ (kløvet – kløve = hacken auf Dänisch). 

Der Strand

Der Strand hier bei Nymindegab unterscheidet sich sehr von den Stränden um Blåvand. Dort sind sie voll von Muscheln und Schnecken, während hier in Nymindegab fast nur Steine liegen. Die Erklärung hierfür ist, dass es vor Nymindegab Reste eines alten Moränenhügels gibt, während bei Blåvand große Sandbänke liegen. Eine weitere Erklärung ist in der Form der Küste sowie im Gefälle des Strandes zu finden.

Bei Nymindegab wird es schnell tief, wodurch leichte Schnecken und Muscheln nicht liegen bleiben, wenn die Wellen des Meeres zurückspülen. Das ist anders bei Blåvand, wo fast kein Gefälle ist. Hier bleibt alles, was das Meer anspült, liegen.  Daher ist die Chance, Bernstein zu finden, in Blåvand auch besser, weil der Bernstein, der sich im Spülsaum befindet, in Nymindegab wieder weggespült wird. Noch eine Erklärung dafür, dass in Blåvand keine Steine sind, ist die, dass Blåvand während der letzten 6.000 Jahre aus Flugsand gebildet wurde.

Nymindestrømmen

Die Landschaft bei Nymindegab hat sich im Laufe von wenigen hundert Jahren dramatisch verändert. Das Meer hat langsam, aber sicher, eine Barriere aus Sand parallel zur Steilküste aufgebaut, die bis dahin die Küstenlinie bildete. Früher waren Nymindegabet oder Nymindestrømmen der Ablauf des Ringkøbing Fjord in die Nordsee. Da die äußerste Sandbank sich immer weiter in Richtung Süden ausbreitete, wurde der Ablauf entsprechend verlegt, bis er 1845 ganz bei Houstrup war. Gleichzeitig war Nymindestrømmen schmaler geworden und fast vollkommen versandet. Bei Stürmen brach das Meer mehrmals durch die Dünen und schuf neue, aber häufig zwischenzeitliche Abläufe. 1891 grub man daher zuerst einen Ablauf südlich von Nymindegab: Nordmandskrog. 1910 grub man einen Ablauf bei Hvide Sande, aber ein Sturm nur wenige Monate später im Jahr 1911 schuf eine Öffnung von über 200 m und verursachte erhebliche Überschwemmungen. Als man das Loch bei Hvide Sande 1915 geschlossen bekam, musste man eine neue Öffnung bei Nymindegab anlegen. Erst mit der Schleusenanlage in Hvide Sande, die 1931 eröffnet wurde, bekam man endlich die Kontrolle über die Abläufe des Fjords.    

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